Die dpa zieht nach Berlin und dazu muss ihr Chefredakteur Wilm Herlyn natürlich Stellung beziehen und in der Süddeutschen Zeitung unterbreiten, dass die Branche vor vielen Herausforderungen steht, die sich mit Preispolitik, Angebotserweiterung, „Bewegtbildern“ und anderem Bewährtem bewältigen lassen. Das Web 2.0 wird von ihm nicht mal ignoriert, sondern lyrisch umschrieben: „Es gibt Sumpfblüten, die schnell wieder verschwinden“. Dazu ein paar Gedanken aus dem Biotop der Sumpfblüten:
Nachrichtenagenturen müssen sich nicht deshalb verändern, weil sich die Medienlandschaft verändert, sondern weil sich das Nachrichtenwesen selbst geändert hat. Publikum, Autorschaft, Sender und Empfänger, Nachrichtenwert und Textqualität hängen nicht mehr wie ein mechanisches Powerpoint-Schema zusammen. Informationen werden im Dialog zu Nachrichten, indem User, Leser, Blogger sie als wichtig ansehen. Bewertet wird über Posts, Links, Kommentare und Community-Einträge. Die Nachricht wird also sozial und nicht redaktionell gefiltert.
Im sozialen Internet gibt es auch kein Monopol auf Informationen mehr. Eine Information entsteht nicht erst, wenn der Agentur-Reporter vor Ort ist, sondern, wenn sie von irgendjemandem als relevant erkannt und in den Tweed, Blog oder sonst was eingespeist wird. Twitter-Nachrichten von Menschen auf den Tragflügeln eines notgelandeten Flugzeugs auf dem Hudson-River sind nun mal schneller und authentischer als die Berichte der per Helikopter heran eilenden Reporter.
Wie sieht also „the next big news agency“ aus? Wenn das Nachrichtenwesen sozialisiert wird, dann müssen es die Medienschaffenden auch werden. Es wird für Nachrichtenagenturen nicht mehr darum gehen, die Information als erster zu haben, sondern den Kontakt zum „Entdecker“ der Nachricht, zum ersten Blogger oder Twitterer. Ende des Qualitätsjournalismus in den Nachrichtenagenturen? Nein, das ist erst der Anfang, aber mit einem neuen Qualitätsbegriff. Hier zählen zum Beispiel die Qualität der Blogger-Beziehungen, das Twitter-Netzwerk oder Newsfeeds, die einem Bericht zugrunde liegen, vor allem aber die Fähigkeiten die die Bloggosphäre so nicht leisten kann, wie beispielsweise eine vertiefte Recherche und die Verifizierung einer Nachricht.
Ich glaube, die „next big news agency“ wird der Verifizierer mit den besten Schnittstellen und Beziehungen zu den Jedermann-Reportern des sozialen Internet.
Großes Thema für einen kleinen Post. Nur gut, das ich das nicht in 140 Zeichen ausdrücken und twittern muss.














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