Facebook erneuert die neuen Geschäftsbedingungen, die im Web massiv angegriffen worden sind. Heraus kommt etwas, das nach den alten aussieht. Ab heute gibt es also auch Geschäftsbedingungen im Web 2.0 als Beta-Version. Der Weg dahin ist ein kleines Lehrstück über den Umgang einer Plattform 2.0 mit ihrer Community, der fast politische Züge annimmt und auch so klingt: Facebook hat jetzt selbst eine Gruppe gegründet, die sich „Facebook Bill of Rights“ nennt und Nutzermeinungen für die Entwicklung neuer Geschäftsbedingungen einsammeln soll. Sozusagen user-generated terms of use – die Community regiert mit, wenn es um die eigenen Angelegenheiten geht. Die Gruppe klingt nicht nur nach Politik, sie setzt tatsächlich ein republikanisches Prinzip um. Die res publica aus dem römischen Recht meint nichts anderes als den öffentlichen Diskurs über politische Entscheidungen. Dinge, die bisher in Gremien, Tafelrunden und Katakomben besprochen worden sind, werden jetzt transparent und müssen den Stresstest des öffentlichen Diskurses bestehen. Geschäftsbedingungen sind für soziale Netzwerke eine Art Verfassung. Jeder Nutzer „unterzeichnet“ diese Verfassung ein freiwillig erstes Mal, wenn er sich einer Community anschließt. So weit , so üblich, denn Geschäftsbedingungen regeln auch Bereiche, die ein Plattformbetreiber nicht bestimmen, sondern einfach einhalten muss, wie z.B. allgemeine Gesetze. Bei einer Änderung dieser Verfassung sieht die Sache anders aus. In vielen, in sehr vielen Ländern – außer Deutschland – muss das Volk über eine Verfassungsänderung entscheiden. Es ist also eigentlich geboten, solche Änderungen auch dem digitalen Volk vorzulegen. Dieses offene Verfahren ist außerdem klug. Die ursprüngliche, englische Bill of Rights beendete einen langen, teils blutigen Konflikt zwischen dem englischen Königshaus und dem Parlament. Auch Facebook rettet sich mit der Bill of Rights aus einem extrem schädlichen Konflikt und kann mit einer weitgehenden Einbeziehung vielleicht sogar verlorene Punkte bei der digitalen Nation zurück gewinnen. Gutes Krisenmanagement. Viel spannender, viel mehr Web 2.0 und für Facebook chancenreicher wäre aber der „republikanische“ Weg gewesen: Die Community in dieser Angelegenheit direkt und vorab einzubeziehen und ein Stück digitale Republik zu verwirklichen. Als Betreiber quasi nur die „Hardware“ in Form des Verfahrens zu stellen und die die „Software“, die Entwicklung Community-konformer Regeln, nach dem Open-Source-Prinzip zu gewinnen. Ich bin sicher, die digitale Zukunft geht in diese „republikanische“ Richtung.
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