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Neue Kommunikation im web 2.0
Grenzgänge zwischen Social Media und Unternehmen,
Blogs und Medien, Communities und Kampagnen

Gastronomie2.0? Sinn und Unsinn des Web2.0 für Gastronomen

by Florian Semle on April 15, 2010

Soll man sich als Gastronom, Kneipier oder Restaurant-Manager im neuen sozialen Internet („Web 2.0“) engagieren? Brauchen wir wirklich eine Fanpage im sozialen Netzwerk Facebook, oder gar eine eigene digitale Stammgästecommunity? Um es gleich vorweg zu nehmen: das neue Dialog-Internet für bzw. über In-Treffs, Restaurants und Gaststätten ist längst Realität. Auf Bewertungsportalen wie Quype oder den Lokalisten sammeln Restaurants längst Sterne, die von Gästen für die unterschiedlichsten Eigenschaften vergeben werden. Lokale Web-Portale wie Wer-Kennt-Wen oder Studentennetzwerke innerhalb von StudiVZ versorgen potenzielle Gäste mit jeder Menge Tipps für lokale Kulinaria, die von Usern zusammen gestellt werden. Die Präsenz im Web 2.0 ist also bereits heute alternativlos, weil sie von den Gästen längst vollzogen wurde. Welche Herausforderungen kommen damit auf Gastwirte zu? Was muss und was kann man für das Renommee der eigenen Stube unternehmen?

Gäste werden User: Die neue Gästegeneration
Die wichtigsten Restaurant-Marketing-Initiativen sind seit je her zufriedene Gäste, die kulinarische Erlebnisse und Tipps im Bekanntenkreis weiter geben. Diese gastronomische Binsenweisheit gewinnt im sozialen Internet unheimlich an Bedeutung, denn die „Digital Natives“ die meist jungen Bewohner des neuen sozialen Internet sind Meister der Vernetzung und Veröffentlichung. Sie sind sogenannte Prosumenten, professionelle Konsumenten, die sich über das Internet und den Austausch mit Gleichgesinnten zu allem und jedem in Sekundenschnelle mit relevanten Informationen versorgen können. Ihre persönlichen Netzwerke auf Facebook oder StudiVZ umfassen hunderte, manchmal tausende Kontakte. Smartphones und Photo-Handies sind ihre ständigen Begleiter. Leben, Genuss und Ärgernis werden in Echtzeit dokumentiert und der geneigten Leserschaft auf Twitter oder Facebook mitgeteilt. Diese modernen Gäste sind also potenzielle Meinungsmacher, die es mit unter schaffen, ein Massenpublikum mit positiven oder kritischen Botschaften zum Restaurant-Besuch zu erreichen. Noch ist die digitale Generation in der Minderheit, doch die digitale Lebensweise hat inzwischen auch ältere Generationen erreicht. Der Mikro-Blogdienst Twitter wird beispielsweise hauptsächlich von 30 bis 40-jähigen genutzt – mit steigender Tendenz. Über soziale Netzwerke bildet sich also eine neue Form von Öffentlichkeit für das Gastgewerbe. User, Besucher, Gäste sind nicht nur Gourmets sondern auch Restaurant-Kritiker. Essen, Kochen und kulinarische Besonderheiten sind dabei heute schon ein Megathema in der Bloggosphäre. Hunderte Blogautoren tauschen Tipps und Szeneplausch zu Menues und Locations aus. Das Restaurant wird von einem heimelig privaten, nur teilöffentlichen Raum zu einer Bühne, auf der im digitalen Rampenlicht gekellnert wird.
Die Gäste ändern sich. Dieser Wandel erfolgt nicht überall gleich und je nach Zielgruppe unterschiedlich. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Gastgeber den neuen Gästegepflogenheiten anpassen müssen.


Web-based Cuisine: Für wen ist das neue soziale Internet relevant?


Das Web 2.0 ist nicht nur ein Trend, sondern mittlerweile ein Hype-Thema, das den Blick für den wirklichen Bedarf nicht leicht macht. Es gibt heute unzählige Möglichkeiten, digital zu kommunizieren. Alle sind mit (zusätzlichem) Aufwand verbunden. Deshalb sollte sehr genau überlegt werden, welches Web-Konzept zum Restaurant-Konzept passt. Die folgende Checkliste gibt einen kompakten Überblick über die Wichtigkeit des sozialen Internet für das eigene Restaurant:

Zielgruppengastronomie: Wer junges oder besonders internet-affines Publikum ansprechen will, muss das so tun, wie junge Leute angesprochen werden wollen. Ein Studentencafe ist beispielsweise längst Teil des digitalen Dialogs, weil online besprochen wird, wo man sich offline in Freizeit oder studientechnisch trifft. Mobilfunkempfang oder W-Lan sind für viele studentische Locations heute schon notwendiger Inventar. Die Möglichkeit für die Zielgruppe, sich über Angebote zu informieren oder Reservierungen im digitalen Dialog mit den Gastwirten zu besprechen, sollten es auch sein – und bieten derzeit noch hervorragende Möglichkeiten, sich von Wettbewerbern zu unterscheiden.
Auch die Geschäftswelt wird zunehmend von diesem digitalen Sog erfasst. Man setzt sich Mittagstermine im gemeinsamen Online-Kalender oder fragt über Twitter nach Restaurant-Tipps in fremden Städten. Diese Klientel hat schon das Internet 1.0 sehr konsequent für sich genutzt und wird auch das neue soziale Internet für sich erschließen.

Urbane Gastronomie: Vor allem in Städten ist das digitale Netz schon recht engmaschig gesponnen. Die kulinarische Gemeinde verköstigt sich mit Links und Bewertungen auf Bewertungsportalen bevor man wirklich einen Tisch bestellt. Für städtische Restaurants mit anspruchsvoller Klientel ist deshalb ein Mindestmaß an digitaler Präsenz obligatorisch. Je mehr auf die digitale Karte gesetzt wird, desto höher sind natürlich auch die Chancen, das Netz zu einem Kanal der Neukundenansprache zu machen,.

Digitale Hot-Spots: Die Bewohner des Web 2.0 sind geschäftlich wie privat hochmobil. Deshalb sind Verkehrsknotenpunkte wie Flughäfen, Messegelände oder Bahnhöfe für sie Treffpunkte, Netzzugänge und Einkehrmöglichkeit in einem. Gastronomie-Betriebe im Umfeld dieser digitalen Hot-Spots sollten aus diesem Standortvorteil ein Werb-Konzept machen und das eigene Angebot digital auffindbar machen.

Erlebnisgastronomie: Man kann sich das Soziale Internet als einen riesigen Dialog vorstellen, in den Gäste und User einbringen können, was sie wollen und aus dem sie die Informationen beziehen können, die sie wirklich interessieren. Besondere Erlebnisse persönlicher oder kulinarischer Art sind deshalb wie für das Web geschaffen. Gastwirte, die mit kulturellen oder kulinarischen Erlebnissen aufwarten können, sollten das auch

Gastronomie-Start-ups: In der Internet-Wirtschaft ist das Web 2.0 die Möglichkeit für Start-ups, sich auch mit geringem Budget bekannter zu machen. Gleiches gilt meiner Meinung nach auch für Restaurants. Wer eine interessante Konzeptidee hat, eine neue Location eröffnet oder mit einem jungen Team einen kulinarischen Platzhirsch heraus fordert, sollte überlegen, wie sich diese Idee im Interne verbreiten lässt. Wie bei Web-Start-ups ist aber auch in der Gastronomie hohes Engagement und eine gewisse Internet-Affinität erforderlich.

Gastronomie-Nischen: Jedes gute Blog hat eine unverwechselbare Nische, das es für Leser, andere Blogger oder soziale Netzwerke interessant macht. Das hat es mit guten Restaurants gemeinsam. In beiden Fällen verhilft die Mundpropaganda zur Popularität und in der besonderen Nische steckt die Chance. Wer Unverwechselbares, vielleicht sogar Einmaliges zu bieten hat, hat deshalb sehr gute Chancen, auch im Web 2.0 für Furore zu sorgen.
Derzeit ist gezielte Web-Arbeit den Gastro-Pionieren vorbehalten. Aber gerade deshalb bieten sich Restaurants noch zahlreiche Nischen, die mit Kreativität und sozialem Gespür besetzt werden können.

Guide Digitale: Restaurantführer ins soziale Internet

Kommunikation für ein Restaurant ist Arbeit und nur gute Erfolgsaussichten rechtfertigen diesen Zeit- und Ressourceneinsatz. Wer also den Schritt ins soziale Internet wagen will, sollte seine Aktivitäten dosieren, immer kritisch prüfen und gegebenenfalls erweitern, wenn sich Anfangserfolge einstellen. Der Weg führt also von der Pflicht zur Kür. Klassische Pflichtübungen sind die regelmäßige Bestandsaufnahme zur Reputation und Verwendung des eigenen Namens per google-Suche (die inzwischen viele Beiträge aus sozialen Netzwerken findet), Twitter-Scan und einem Überblick über die wichtigsten Bewertungen in Verbraucher-Plattformen wie Quype oder den zahlreichen lokalen Netzwerken. Auch den eigenen Restaurant-Namen sollte man sich schleunigst reservieren, denn wie zur Anfangszeit des Internet 1.0 hat sich eine Domain-Besetzer-Kultur in sozialen Netzwerken gebildet. Einige Basis-Tools wie zum Beispiel Bookmarking—Leisten, der Twitter-Buttons können auch direkt in gepflegte Restaurant-Homepages integriert werden und erleichtern Tweeds und Verlinkungen in soziale Netzwerke. Damit stößt man natürlich auch die Tür für offene Kritik auf, doch die wird inzwischen ohnehin geäußert. Mit eigenem Engagement wird sie realistisch gesehen sogar beherrschbarer.
Die Social Media-Kür wäre ein eigenes Web-Konzept, um gezielt ein digitales Image aufzubauen und eine passende Nische zu besetzen. Möglichkeiten reichen vom eigenen Blog, über Votings oder Mitmachangebote bis hin zum gezielten Aufbau einer digitalen Community für das eigene Restaurant. Wer sich von einem erfolgreichen Social Media Auftritt inspirieren lassen möchte, der sollte den Webauftritt der Münchner „Niederlassung“ aufsuchen, die sich mit ihrem digitalen Engagement quasi zur Münchner Twitter-Filiale geschrieben hat (www.niederlassung.de). Hier veranstaltet die Netzgemeinde inzwischen Events wie den „Münchner Twittwoch“ zu neuen digitalen Themen.

Solche aktiven Auftritte im Web 2.0 werden auch in Zukunft nur wenigen engagierten, kreativen Gastronomen vorbehalten bleiben und genau da machen sie Sinn. Aber derzeit überwiegen die Chancen zur erfolgreichen Nischeneroberung und ein Gedankenspiel, gestützt von einer kleinen Internet-Recherche lohnt sich alle mal. Das Web 2.0 könnte langfristig sogar zu einem wirklich neuen und interessanten Gastro-Marketing-Konzept für Pioniere werden: In Zukunft wird das eigene Restaurant möglicher Weise viel mehr Plattform sein, als Location. Und die Küchenchefs / Plattformbetreiber müssen „ihre“ Community dann mit interessanten digitalen und kulinarischen Angeboten pflegen wie ein gastronomisches Facebook.

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{ 1 trackback }

Webnews.de
04.16.10 at 8:49

{ 3 comments… read them below or add one }

Florian Semle 04.15.10 at 4:57

By the way – dieser Post ist auch als Print-Artikel im Gastronomie-Report erschienen unter: http://www.hacker-pschorr.de/data/service/seitenblicke/Seitenblicke_2010_02.pdf

Frieder 04.16.10 at 8:12

Wieso sollen nur diese genannten Gastronomietypen Social Media machen? Erstens bringt das den Mitarbeitern auch Spaß und zweitens lohnt es sich für jeden, mit die Relevanz der eigenen Webseite mittels Social Media zu erhöhen.

Florian Semle 04.16.10 at 8:41

Lieber @frieder,
natürlich ist es abolut Ok, aus Spaß im Netz unterwegs zu sein, aber das ist die freie und persönliche Entscheidung von Angestellten / Betreibern, keine “Gastronomie-Kommunikation. Dafür braucht man auch keine Strategie oder Beratung, sondern nur Neugier und einen Faible für digitale Möglichkeiten.
“Relevanz” sollte man nicht nur nach quantitativen Aspekten als eine Art SEO-Suchworthäufelung denken. Das funkioniert meines Erachtens schon deshalb nicht, weil ein restaurant, das keine digital affiinen Zielgruppen hat, auch nicht auf einen google-page-rank angewiesen ist.

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